Wo ist mein Schlüssel (Portemonnaie, Hut usw.)? Kennen Sie das, und sind Sie im höheren Lebensalter? Demenz? Seien Sie beruhigt: Wenn Sie gelegentlich etwas vergessen, ist das noch kein Zeichen für Demenz! Erst wenn Sie selbst und/oder Ihre Angehörigen im Verlauf von ca. 6 Monaten ständige Vergesslichkeit in unterschiedlichen Bereichen bemerken und der Verlust von zeitlicher (welcher Tag ist heute?) und räumlicher (wo bin ich?) Orientierung hinzukommen, kann es sich um Demenz handeln.

Das ist eines der spannenden Ergebnisse eines gut besuchten Vortrages von Dirk Eickmeyer vom Demenz-Service-Zentrum OWL in Bielefeld im Rahmen der FOCUS Gesprächsrunden im Pflegeheim am Rennplatz. Er rät im nächsten Schritt dann zu einer genauen ärztlichen Abklärung, weil es mindestens sieben Arten von Demenz gibt und die Erkrankung zusätzlich von einer Depression abgegrenzt werden muss.

Depressionen lassen sich heute nämlich sehr gut behandeln, und die Symptome können dann wieder verschwinden, sprich: eine Behandlung lohnt sich. Gegen Demenz gibt es nur aufschiebende Maßnahmen, aber keine Heilung, vor allem, weil man sich über die Ursachen und Entstehung von Demenzerkrankungen noch nicht einig ist und es deshalb keine wirksamen Medikamente gibt. Es helfen eine möglichst stetige Umgebung, die Erlaubnis zur körperlichen Bewegung und wohlwollende eindeutige Zuwendung von möglichst einer Bezugsperson.

Ist die Diagnose dann da, seien für Angehörige und Freunde/Nachbarn die Veränderungen bei den Erkrankten oft ein Schock, denn es bedeute den Ausstieg aus dem „Funktionieren“ und dem raschen „mal erledigen“. Ab jetzt geht nichts mehr mal eben so, aber es kann trotzdem gut gehen!
Angehörigen und sozialem Umfeld rät Eickmeyer zu einem gelassenen respektvollen Umgang mit den erwachsenen (!) Erkrankten und vor allem zum bewussten Einnehmen des Blickwinkels der Betroffenen, der manchmal einen unverhofften Zu- gang zu ihrem tatsächlichen Empfinden biete. So sei es doch egal, ob der Erkrankte z. B. den richtigen Namen des Betreuers wisse, so lange er sich in dessen Gesellschaft wohl und sicher fühle und ihn anerkenne. Das Empfinden der Erkrankten bleibe noch lange erhalten, und das könnten auch Freunde und Nachbarn in den so wichtigen Sozialkontakten nutzen.

Die meisten Kranken wollen so lange wie möglich zu Hause in gewohnter Umgebung bleiben. Also muss Sicherheit her: z. B. Stolperfallen (Teppiche!) müssen weg, eine Herdsicherung her und mit gelegentlichen Experimenten - so kann ein Jugend(!)- foto an der Zimmertür den Erkrankten das leichtere Auffinden des eigenen Zimmers ermöglichen oder eine farblich anders gekennzeichnete Tür das Finden der Toilette im Pflegeheim oder im Krankenhaus und damit den Beginn von Inkontinenz verhindern helfen, also viele unlösbar scheinende Probleme lassen sich „entschärfen“. Hier seien die Fantasie und das Einfühlungsvermögen der Betreuer gefragt, und dies werde oft reich belohnt. Hier hilft es, sich so viel professionelle Hilfe wie möglich zu holen! Für alle diese und die vielen anderen Fragen rundherum bietet sich an, mit dem Demenz-Service-Zentrum OWL unter Telefon 0521/9216-456 oder -459 oder info@ demenz-service-owl.de Kontakt aufzunehmen und sich so viele Informationen wie nötig zu holen.

Mit dem Verlauf der Demenz geht die Geschäftsfähigkeit des Kranken nach und nach verloren. Deshalb wies Rechtsanwalt und Notar Klaus Betzendahl an diesem Abend noch darauf hin, dass es kein Gesetz gebe, nach dem Ehegatten oder Kinder eine Verfügungsgewalt über den Erkrankten haben. Das könne jeder nur selbst für sich festlegen, ersatzweise ein Gericht, und nur Notare können rechtsgültig bestätigen, dass die Unterschrift unter einer Vorsorge-, Pflege- oder sonstigen Vollmacht die von dem sei, von dem in der Verfügung die Rede ist. Klaus Betzendahl will dazu noch eine Veranstaltung konzipieren, die die juristischen Auswirkungen und Voraussetzungen behandelt.

Auszug aus dem Queller Blatt April 2014